Reisebericht
Azoren
Die erste Insel: São Miguel
Landen, Mietwagen übernehmen, das gebuchte Hotel finden. Das Apple-Navi funktioniert einwandfrei so erreichen wir zügig unseren Zielort. Jetzt heißt es ankommen. Wir lassen uns Zeit, gehen an der Steilküste spazieren und wir gewöhnen uns an die Frische und an den Wind. Danach, das Abendessen.
Ich nehme den für diese Reise bewusst einen etwas alternativen Reiseführer (Navek Hollan: Azoren. Reiseführer 2026) und lese nochmals durch, was er für São Miguel vorschlägt, welche Sehenswürdigkeiten man unbedingt sehen muss. Die restlichen Ereignisse und Begegnungen, so denke ich, werden sich einfach ergeben.
Ponta Delgada
Am zweiten Tag unserer Reise beginnen wir die Entdeckung der Azoren in Ponta Delgada. Als Ausgangspunkt wählen wir einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe von Jardim António Borges, einem wunderbaren kleinen botanischen Garten, den wir gerne durchschlendern bevor es durch die Gassen zu den Portas da Cidade, der Stadttore und somit zur „Stadtmitte“ und Hafenpromenade geht. Zuerst ungewöhnlich, später dann immer vertrauter, wirken die Fassaden der historischen Gebäude und Kirchen in Weiß mit schwarzen Vulkangesteinsverzierungen. Es ist Einiges los in der Stadt, denn ganze Familien strömen feierlich angezogen durch die Straßen, mit Blumen und anderen farbigen Mitbringseln. Sie scheinen aufgeregt und ansteckend fröhlich zu sein. Mal schauen, was das wird.
Weiter geht’s, ohne Eile. Zeit einem Straßenmusiker vor der Kirche Igreja Matriz de São Sebastião zuzuhören und die Kirche anzuschauen bevor es zur Hafenpromenade (Avenida Infante Dom Henrique), von den Einheimischen Avenida genannt, geht. Die Gassen, die Häuser, die Gehwege, alles neu für unsere Augen. Wir genießen das charmante Flair und passen Schritt für Schritt unser Tempo dem der Stadt an. Wir entschleunigen uns.
In wenigen Stunden sieht man alles, was unsere Reiseführer als Sehenswürdigkeiten aufzählen und kommen schlussendlich zur berühmten São José Kirche. Der Platz (Campo de São Francisco) ist voll, Musik ertönt, die Menschen singen, ein Priester hält eine Zeremonie ab. Jetzt muss ich das Internet zur Hilfe holen. Was ist heute los? Es ist die feierliche Segnung der Studienmappen (Bênção das Pastas) und gleichzeitig der Auftakt zum berühmten religiösen Santo-Cristo-Fest. Später erfahren wir aus den Nachrichten: „über 200 Absolventen der Universität der Azoren ließen dabei ihre akademischen Mappen für den zukünftigen Lebensweg segnen. Das studentische Ereignis haben zahlreichen Familien begleitet.“ Was für eine schöne Tradition! Da muss ich noch ein wenig nachgehen: „Die studentischen Traditionen in Portugal gehören zu den ältesten und lebendigsten akademischen Bräuchen Europas. Sie sind tief in der Kultur verwurzelt und prägen das Stadtbild der Universitätsstädte – von Coimbra über Porto bis hin zu den Azoren.“
Sete Cidades
Ein anstrengender Anstieg durch einen dichten Wald (japanische Sicheltanne) führt zum Aussichtspunkt Grota do Inferno. Mein Gott, sind viele Leute hier und wollen sich am Rande des „Infernos“ fotografieren. Ich gucke mich um, suche das Inferno, entdecke jedoch nur die wunderschöne Vulkanlandschaft. Von hieraus präsentieren sich Lagoa de Santiago und teilweise die beiden anderen Vulkanseen, Lagoa Azul und Lagoa Verde in bester Sicht.
Das Licht fällt heute allerdings so, dass wir die blaue Farbe von Lagoa Azul nicht wirklich erkennen können. Lagoa Verde schimmert smaragdgrün und lässt uns einige typische Azoren-Bilder von hier oben schießen. Die Zwillingsseen, die nur durch einen schmalen Landstreifen getrennt sind, zeigen sich auch vom Ufer aus fotogen. Der Wind frischt auf, so wenden wir uns mehr einer Tour Lagoa Azul zu. Der dichte Wald schützt und auf ebenen Wegen zu wandern tut auch gut. Geübte Wanderer unter Ihnen lächeln darüber, wie stolz wir sind, am Tag über 20 km gewandert zu haben. Doch wir spüren es deutlich. Was uns nicht davon abhält, nach Ponta da Ferraria zu schauen.
Durch die müden Beine wagen wir es heute nicht mehr nach unten zu gehen, denn auch rauf muss man dann, zumal nach einem Erdrutsch die Straße nur zu Fuß zu benutzen ist. Dort war mal ein Thermalbad, denn warum die Menschen hierherkommen, ist das heiße Wasser, was aus dem Erdinneren durch das Lava in das kalte Meer strömt und ein angenehmes Bad schafft. Bei diesem Vergnügen teilen wir uns auf: Andreas geht ins Wasser, ich fotografiere meine geliebten Lavafelder.
Gorreana heißt die einzige Teeplantage in Europa und sie liegt unweit von Ponta Delgada. Wir machen hier einen Stopp und besichtigen die Plantage sowie die Teeherstellung in der anliegenden Teefabrik. Eine Tradition, die über Generationen lebendig geblieben ist.
Nur wenige Kilometer weiter auf der Panorama-Straße erreichen wir das Furnas-Tal. Hier regiert die Geothermik und deshalb ist die Stadt Furnas voll von Besuchern. Die meisten verweilen im Terra Nostra Park. Ein botanischer Garten mit einem Highlight: Thermalschwimmbecken. Das eisenhaltige Thermalwasser sprudelt aus einer heißen Quelle und wird in einem großen Rundbecken aufgefangen. Mitten im botanischen Garten darf man baden. Es ist merkwürdig in ein „rostiges“ kupferfarbenes Wasser zu steigen, das gut und gerne 35 bis 38 Grad warm ist. Doch man gewöhnt sich dran und hockt eine halbe Stunde im Wasser in der Hoffnung, dass es guttut.
In Furnas gefällt es uns so gut, dass wir die Stadt und seine unmittelbare Umgebung noch einmal besuchen. Diesmal geht es um drei „Eigenheiten“: das offene geothermische Gebiet direkt in der Stadt, um den Furnas-See Lagoa das Furnas und um Caldeiras das Furnas, wo das berühmte Cozido das Furnas unter der Erde in vulkanischer Hitze gekocht wird.
In der Region wirken die vulkanischen Kräfte direkt unter dem Boden, auf den man läuft. Mit Schlammlöchern, kochend heißem Wasserbecken, Gas- und Dampfausstoß in Rissen, zwischen Steinen und Felsen machen sich die Kräfte der Erde deutlich bemerkbar. Schon von weitem her riecht und sieht man den aufsteigenden Dampf. Je näher man kommt, desto unmittelbarer werden die Formen und Farben, wie sich die „Arbeit“ unter unseren Füßen zeigt: blubbernde Schlammlöcher, dampfende Fumarolen, eisenhaltiges Heißwasser, Champagne-Becken. Faszinierend.
Nachdem wir den halben Lagoa das Furnas umwandern, finden wir ein besonderes Restaurant: Hier nutzen die Menschen die Erdwärme zum Kochen: Cozido das Furnas. Ein Eintopf mit allerlei Fleisch und Wurst sowie Kartoffel und Gemüse in großen Töpfen in „Löchern“ in vulkanischer Wärme gekocht. Das Essen ist fantastisch. Dazu trägt auch die mondäne Umgebung bei: Urwald hinter und über uns, Aussicht auf den See und die dampfende „Kochstelle“. Freundliche Menschen, schlafende Katzen und alle Zeit dieser Welt. Mein Gott, geht es uns gut!
Insel Nummer zwei: Faial
Die Propellermaschine von SATA (SATA Acores) landet nach 40-minütigem Flug von Ponta Delgada etwas außerhalb von Horta. Der erste Weg führt in die Tourist-Information um eine Karte der Insel zu holen. Sie sind gut, die Karten, die man dort bekommt. Die Strategie für diese Insel ist, die Empfehlungen und Touren, die auf der Karte aufgeführt sind zu „absolvieren“. Gedacht, getan auch wenn nicht alles zu dem Erfolg führte, wie planmäßig erdacht – das erfahren wir im Nachhinein.
Die Hafenpromenade ist ein Muss, wenn man das hiesige Inselgefühl in sich aufnehmen will. Der Hafen ist berühmter und bekannter als der in Ponta Delgada. Es herrscht fleißige Geschäftigkeit ohne jegliche Hektik. Boote aller Art ankern hier. Wunderschöne Zweimaster, Dreimaster, modernste Katamarane, klassische Yachten aller Größen. Auch wenn man selbst nicht segelt, ist die Stimmung weltmännisch, aufregend und doch ruhig zugleich.
Viele speziell für Whalewatching konstruierte Boote liegen an den Piers (unweit der Büros der Anbieter), wenn sie nicht gerade unterwegs sind. Zahlreiche kleine Cafés und Restaurants bieten kulinarische Leckerbissen an, in erster Linie frischen Fisch aus dem täglichen Fang. So frisch wie hier, in so einer Auswahl und Qualität bekommt man die Fischgerichte fast nirgendwo sonst auf der Welt. Doch nicht nur der Fisch, auch der hiesige Wein muss gekostet werden.
Je mehr wir Pico näherkommen, umso mehr wollen wir nicht nur ein Glas Azoren-Wein nehmen, sondern eine ganze Flasche! Die Wahl trifft auf Terras de Lava. Ich hatte bereits über den Wein gelesen und bin schon neugierig, wie er schmeckt. Fazit: Wie erwartet! Ein trockener Weißwein, helles Grüngelb. Der Duft: mineralisch. Der Wein ist am Gaumen frisch, mit einer Spur von Zitrus- und tropischen Früchten. Der Abgang ist leicht salzig, langanhaltend. Der Wein trägt den vollen Charakter des Anbaugebietes. Er passt wunderbar.
Der Höhepunkt unseres Aufenthaltes hier auf Faial soll die Umrundung der Caldeira werden. Etwa 7 km rundum mit Blick auf die gesamte Insel, die aus diesem einen Vulkan besteht. Doch es wird uns nicht vergönnt. Es ist 4 Grad Celsius mit 120 bis 140 km Wind auf dem Vulkan, als wir aus dem Auto steigen. Wir und alle anderen auch, können wir uns gerade so am Kraterrand bei einem gesicherten Aussichtspunkt (Miradouro) halten, damit wir zumindest in den Krater hineinschauen können. Wenige Fotos und nichts wie weg, bevor die Hände „abfrieren“. Am nächsten Tag regnet es, die Wolken hängen tief, man sieht so gut wie nichts. Erst als wir schon auf der Nachbarinsel Pico sind, sehen wir, wie schön das Wetter auf Faial ist. Doch die Straße, die zur Caldeira hinaufführt, die war es auch Wert gesehen zu werden. Wunderschön, ohne Wenn und Aber! Eine einzigartige grüne Landschaft mit Wiesen, Wäldern, Blumen, Sträuchern, beweideten Feldern, meterhohen hunderte Meter langen Hortensienbewuchs.
Trotz des enormen Windes besuchen wir Castello Branco, Capelo und Capelinhos Volcano Interpretation Center. Es ist wie in den Reiseführer: fantastisch. Die sattgrüne, üppige Vegetation endet abrupt. Das gesamte Areal ist rostbraun, dunkelbraun, braun. Vulkansand fliegt in der Luft, man muss sich ständig wegdrehen, damit die Augen und der Mund nicht voll werden. Was war denn hier passiert? Vulkanausbruch in 1957. Zunächst erfolgte die Eruption unter Wasser, wodurch eine Insel aus dem Meer emporgehoben wurde. Die Vulkanfläche vergrößerte sich und wuchs mit der Hauptinsel zusammen. Der Ausbruch, der über ein Jahr andauerte (27. September 1957 bis 25. Oktober 1958) zerstörte die küstennahen Häuser und Felder. In Folge der Zerstörung und der Unsicherheit verließen viele Menschen die Insel und wanderten in die USA aus.
Heute kommt jeder, der die Insel besucht hierher. Es ist ein besonderes Erlebnis auf diesem Fleck Erde zu stehen, den es nicht mal seit 100 Jahren so gibt. Das unterirdische Besucherzentrum informiert über die Ereignisse und über die vulkanischen Aktivitäten unseres Planeten. Hochinteressant und sehr gut gemacht!
Die dritte Insel: Pico
Eine halbe Stunde dauert die Überfahrt von Horta/Faial nach Madalena/Pico. Das Programm ist zunächst standard: Mietwagen übernehmen und zum Hotel fahren, einchecken. Am nächsten Tag umrunden wir erst die Insel und bleiben an allen „Miradouro“-s stehen. Wir stellen fest: die Insel ist klein, wunderschön, ruhig und es gibt jede Menge „Kleinigkeit“ zu entdecken. Na dann!
Lajes do Pico...
Ist der zentrale Ort auf Pico, denn von hieraus starten die Boote für die Walbeobachtung. Wir buchen auch das Programm für den nächsten Tag. Wenig Wind, ruhiges Meer. Wir werden darüber informiert, was uns erwartet, wie wir uns verhalten sollen, eingekleidet und los geht’s. Zunächst fahren wir weit raus, warten ein wenig. Plötzlich sichten wir den ersten Wal, einen Blauwal. Dann noch Bartenwale und jede Menge Delfine.
Ausgedehnte Spaziergänge, kulinarische Highlights, Lavafelder, Weinbau. Wir suchen nicht nach den Augenblicken, nach den Entdeckungen, sie finden uns. Wir fahren auf dem Hochplateau, überqueren die Insel in alle Richtungen, bewundern die Häuser, die Gärten, machen uns Gedanken über den beschwerlichen Weinanbau und darüber, dass wir den Vulkan Pico noch nicht erblickt haben. Und dann geschieht auch das. Für kurze Zeit verziehen sich die Wolken, die den Gipfel so gut wie immer bedecken und wir erblicken die schneebedeckte Spitze des Vulkans Pico.
Insel Terceira
Weiter geht’s auf die Insel Terceira. Ganz anders als die vorherigen drei Inseln, meinen wir auf den ersten Blick. Wir sollen insofern Recht haben, dass es hier, in der größten Stadt der Insel, Angra do Heroísmo, so zugeht, wie in einer Großstadt. Die Autos „rasen“ laut über die Basaltpflastersteinen, die Leute scheinen zu eilen, Schulklassen nehmen die schmalen Gehwege in Anspruch, ständig musst man schauen, ausweichen, die steilen Straßen rauf und runter. Es sind viele Fahrzeuge unterwegs und die alten Dieselfahrzeuge „ruinieren“ die eigentlich so gute Luft.
Ruhig und beschaulich geht es dagegen im Hafen, in den Parks und außerhalb der Stadt in den kleineren Ortschaften zu. Wie wir es während unserer Inselrundfahrt entdecken, ist sie gut bebaut. Kein Wunder, es leben 56.000 Menschen auf der Insel, davon die Hälfte in Angra!
Die Insel liegt strategisch an einer wichtigen Stelle und spielte deshalb bereits im 16. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Als Erster kam Vasco da Gama 1499 nach seiner Entdeckung des Seeweges nach Indien hierher. Ihm folgten viele weitere Seefahrer und bereits 1530 wurde Angra do Heroísmo zur ersten Stadt der Azoren ernannt.
Der sichere Hafen der Stadt war begehrt und beinahe obligatorischer Stopp und Umschlagplatz für die portugiesischen Handelsschiffe. Ob unterwegs von und nach Afrika, Indien oder Südamerika, der Seehandel ließ die Stadt wirtschaftlich aufblühen. Während dieser Blütezeit wurde Angra auch zu einem politischen und geistlichen Zentrum mit eigenem Bischofssitz. Die Bedeutung der Stadt wuchs und die wohlhabende Gesellschaft ließ Straßen, Kirchen und Häuser und Festungsanlagen bauen, die bis heute das Flair der Stadt ausmachen.
Diese historische und architektonische Bedeutung, die diesen Wohlstand bis heute widerspiegelt, würdigte die UNESCO 1983 und ernannte die Altstadt zum Weltkulturerbe.
Die Lage der Insel im Atlantik ist bis nach wie vor begehrt und strategisch wichtig. Heute nutzen die US-Navy und das US-Militär die Insel, als logistisches Drehkreuz für Luft- und Seewege zwischen Nordamerika, Europa und dem Nahen Osten. Der Flugplatz wird auch für den zivilen Luftverkehr genutzt. Durch die lange Landebahn können hier große Flugzeuge sicher starten und landen.
Bedeutend geruhsamer geht es im Jardim Duque da Terceira zu. Ein Ort zum Weilen, die Pflanzen und deren Anordnung nach Farben, Formen, Blüte und Blütezeit zu bewundern. Eine Ruhe- und Schönheits-Oase, die Ihre Tore für alle Besucher offen hat. Von hieraus kann man zu Alto da Memoria aufsteigen. Für die vielen Treppenstufen wird man königlich belohnt, mit schönster Aussicht auf die Stadt, auf den Hafen und Monte Brasil.
Zwei geplante Programme wollen nicht gelingen. So kommen wir nicht dazu Algar do Carvao und Gruta do Natal zu sehen. Umbau, begrenzte Öffnungszeiten, Schlechtwetter. Das passiert. Dafür wandern wir in einem anderen Teil der Insel (Rocha do Peneireiro/Serreta), und besuchen wir das geothermische Gebiet Furnas do Enxofre.
Praia da Vitória ist eine Kleinstadt, die wir gerne besuchen, ohne zu ahnen, dass wir hier noch weitere sechs Tage verbringen werden. Wie gut, dass wir uns hier auf Anhieb wohlfühlen. Die Stadt ist ruhig, hat wunderbare Restaurants, einen netten Hafen, Sandstrand, Hafenpromenade und die Menschen sind überhaupt nicht hektisch, wie in Angra. Wir haben nichts Besonderes vor hier, denn es soll am nächsten Tag zu unserer fünften und letzten Insel der Azoren, nach São Jorge gehen.
Ein kurzer Flug von 25 Minuten mit einem Kleinflugzeug auf die komische Vulkaninsel, die wir an manchen Tagen von hieraus, wie auch von Pico aus oft gesehen haben. Auf die Insel, wo die Menschen (aus einheimischer Milch von frei grasenden Kühen) hervorragenden Käse herstellen. Ich bin einerseits fasziniert von der Insel, ich habe jedoch mächtig Respekt und im Grunde will ich gar nicht dahin. Zu steil sind die Straßen, zu wenig Platz direkt an der Küste, mein Gefühl ist komisch.
Es regnet und es weht ein starker Wind. Wir steigen ins Flugzeug, schnallen wir uns an, die Propeller werden gestartet, die Stewardess führt das Sicherheitsprotokoll durch. Und dann kurze Pause. Die Propeller werden gestoppt, es kommt die Ansage der Absage. Gefährliche Seitenwinde auf Sao Jorge, es kann heute nicht geflogen werden. Flugzeugtür wieder auf, alle raus, Koffer holen, Hotel suchen. SATA übernimmt die gesetzlich vorgeschriebenen Kosten, die wir erst selbst zu tragen haben.
Praia da Vitória ist nur wenige Kilometer weg. Hotel buchen, versuchen das gerade abgegebene Mietauto zu verlängern und den Schlüssel wieder zu kriegen. Anschließend erfahren wir, dass es erst am übernächsten Tag einen Flug nach Sao Jorge geben wird. Na super, denken wir. Von 3 geplanten Übernachtungen auf Sao Jorge sollte nur noch eine Nacht geben? Fliegen, Mietwagen, Hotel und dann noch die Insel anschauen? Das hat keinen Sinn.
So lassen wir am nächsten Tag den Flug nach Ponta Delgada umbuchen, alles andere auf Sao Jorge absagen. Wir müssen nach Ponta Delgada, denn unser Heimflug startet von dort aus. Um es kurz zu machen, wir kommen nicht mehr nach Ponta Delgada. In den nächsten Tagen können keine Flugzeuge dort landen, aus Deutschland starten die Flieger gar nicht erst. Nebel. Null Meter Sicht. Der Flug wird ständig auf Später verschoben, und in der Nacht abgesagt. Alles wiederholt sich. Doch wir lernen daraus. Einen Tag vorher organisierte die Fluggesellschaft eine Unterkunft, die gar nicht nach unserem Geschmack war. Das war Lektion genug, wir müssen es in die eigene Hand nehmen. Das vertraute Hotel in Praia da Vitória, Mietwagen verlängert und neue Tickets für den Heimflug mit TAP Air Portugal direkt von Terceira über Lissabon nach München gekauft. Risikomanagement.
Letztlich haben wir mehr Zeit auf Terceira zu verbringen und diese nutzen wir auch um weitere Details in der Kleinstadt kennenzulernen, uns auszuruhen und gut zu essen. Den herrlichen Sommertag nutzen wir noch einmal für einen Spaziergang in Angra und am Strand vor unserem Hotel in Praia da Vitória. Der Atlantik ist gefühlt 15 Grad, trotzdem wagen wir uns ins Wasser. Es ist herrlich, nachdem wir uns an die Kälte gewöhnt haben.
Wir fahren erneut zu einem Aussichtspunkt der Serra do Cume. Als wir beim ersten Mal dort waren, hat es geregnet und Nebel war aufgekommen, sodass wir kaum etwas gesehen haben. Jetzt ist es schönes sonniges Sommerwetter hier und wir sehen die ganze Kleinstadt aus einer anderen Perspektive sowie die wunderschönen bewirtschafteten Felder. Die steil abfallenden grünen Hänge, die Rinder, die friedlich grasen. Wir können kaum glauben, dass es weiterhin kaum Flüge in Ponta Delgada ankommen. Mittags gibt es ein kleines Fenster, sonst geht es erneut nichts, wie wir es den Meldungen entnehmen.
Nach der unfreiwilligen Verlängerung kommt doch der Tag, an dem der Heimflug ansteht. Und diesmal klappt alles. Eine abenteuerliche und schöne Reise geht zu Ende.




























